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Habilitation: last update: May 2003 |
Franz-J. Arlinghaus, Marcus
Ostermann, Oliver Plessow, Gudrun Tscherpel Die CD ‚Schrift im
Wandel, Wandel durch Schrift’ Historische
Forschung auf CD-ROM |
1 Einleitung
In mehrfacher Hinsicht haben sich die
Kulturwissenschaften die spezifischen Möglichkeiten der CD-ROM zunutze gemacht.
Dabei scheinen zwei Verwendungsmodi vorzuherrschen. Genutzt wird zum einen
die Möglichkeit, auf einer CD umfangreiche Texte zu speichern, damit der
Rechner zur Erschließung unterstützend herangezogen werden kann. Als zweiter
Bereich entwickelt sich insbesondere in der Geschichtswissenschaft eine
Nutzung des Mediums als didaktisches Mittel zur Verdeutlichung
propädeutischer Grundlagen[1]. Beide Nutzungskonzepte haben sich als
sinnvoll erwiesen und den Rezipienten neue Zugänge zum jeweiligen Text bzw.
Thema eröffnet. Die vorzustellende CD Schrift
im Wandel, Wandel durch Schrift verfolgt jedoch andere Ziele. Zum einen
geht es darum, neue Ergebnisse historischer Forschung zu einem äußerst
komplexen Phänomen in komprimierter Form darzustellen. Zweitens sind die
Resultate der wissenschaftlichen Arbeit so präsentiert, dass sie sowohl für
den Laien wie für den Fachwissenschaftler von Interesse sind und Neues
bereithalten. [184] Beide Ziele sollen durch
Ausreizen der multimedialen Möglichkeiten erreicht werden. Die CD-ROM Schrift im Wandel – Wandel durch Schrift bildet eines der
Abschlussprojekte des ehemaligen Sonderforschungsbereichs (SFB) 231 Träger, Felder und Formen pragmatischer
Schriftlichkeit im Mittelalter an der Universität Münster, der nach
13-jähriger Arbeit 1999 seine Arbeit beendete.[2]
Analysiert wurde der revolutionär zu nennende Umbruch von der vorwiegend
durch orale face to face-Kommunikation
geprägten Welt des Frühmittelalters hin zu den stark durch den Gebrauch der
Schrift im Alltag gekennzeichneten Gesellschaften des Spätmittelalters. Dabei
gilt es festzuhalten, dass das Potential an Darstellungsweisen, die das neue
elektronische Medium dem Wissenschaftler eröffnet, dem Forschungsgegenstand
und der Differenziertheit der Arbeitsergebnisse in besonderer Weise
entspricht. So lässt sich etwa die jüngst insbesondere in den mediävistischen
Philologien diskutierte ’Unabgeschlossenheit’ und
’Flexibilität’ (mouvance)
mittelalterlicher Texte, nach der nun jede Varianten einer Handschrift als
eigenständiger Text ernst zu nehmen ist, nicht nur besonders anschaulich
visualisieren, sondern auch in ihrer ganzen Vielschichtigkeit erstmals
angemessen darstellen. Wie der Sonderforschungsbereich ist auch die CD
transdisziplinärer Arbeitsweise verpflichtet: Insgesamt 16 Einzelbeiträge
verschiedener Fachgebiete zeigen aktuelle Ergebnisse ihrer Forschung zu dem
skizzierten Phänomen der europäischen Kulturgeschichte. [185] 2 Multimedia und
historische Forschung
2.1
Dynamische Verschränkung von Konkretem und Abstraktem ’Multimedialität’ bezieht
sich hier nicht allein auf die – im Vergleich zum Buch –
Ausweitung des konkret-sinnlichen Erlebens[3].
Jeder Autor, der sich mit einem Beitrag an der CD beteiligt, hat sich darauf
eingelassen, seine These weit stärker als sonst in der historischen Forschung
üblich durch Abbildungen von historischen Gebäuden, Urkunden und anderen
’Zeitdokumenten’ zu untermauern, also konkret mit dem
Bildmaterial zu argumentieren[4]. Ergänzend und damit verbunden erlaubt der Einsatz von Grafiken eine weithin
auf die optische Wahrnehmung zielende Explikation des Gegenstandes. Grafiken
und schematische Zeichnungen verweisen zudem auf einen bereits verarbeiteten
und interpretierenden Zugriff und damit höhere Abstraktionsstufe. Beide
Elemente, also die ’konkreten’ Bilder und die
’abstrakten’ Darstellungen, lassen sich zudem je einzeln
dynamisieren und auf dem Bildschirm miteinander in Beziehung setzen.
Angefangen mit der Hervorhebung einzelner Elemente – etwa einer
Handschrift – durch Zoomen über Animationen bis hin zu filmischen
Sequenzen bietet das neue Medium eine breite Palette von
Darstellungsmöglichkeiten. Hier treffen sich die notwendige medienspezifische
Präsentation der Themen einerseits und die Möglichkeit der flexiblen
Verschränkung von Konkretem und Abstraktem andererseits, wie man sie sich für
die Vermittlung schwieriger Forschungsergebnisse [186]
nur wünschen kann. Für einen erläuternden geschriebenen Text bleibt
auf dem Bildschirm nun nur wenig Raum. Ist das Auge von den sich bewegenden
Bildern und Grafiken in Anspruch genommen, bietet sich hier die Erläuterung
des Visualisierten durch gesprochenen Text an. Hält
die CD für den Wissenschaftler zahlreiche neue ’tools’ bereit,
mit denen er seine These darlegen kann, ist zu fragen, welche Vorzüge sie für
den Rezipienten bietet. Zunächst einmal führt die multimediale Aufbereitung
eines Themas zu einer ’multisensualen’ Erfassung des
Dargestellten durch den CD-Nutzer. Dass eine solchen Präsentation oft
interessanter wirkt, ihr sicherlich auch ein gewisser Unterhaltungswert
beizumessen ist, ist insbesondere für die ebenfalls anvisierte Zielgruppe des
interessierten Laien wichtig[5],
steht jedoch nicht im Mittelpunkt des Konzepts. Auch wird von Pädagogen und
Medienexperten darauf verwiesen, dass solche Darstellungen in der Regel
besser ’haften’ bleiben, besser erinnert werden können[6].
Diese beiden Momente sind wichtig und haben bei der Planung der CD ihren
Platz gehabt. Das entwickelte Konzept rückt jedoch einen anderen Aspekt ins
Zentrum: Über das sinnlich Erfahrbare hinaus geht es darum, mit der CD beim
Nutzer verschiedene Modi des Begreifens und Verstehens zu mobilisieren. Zu
nennen sind etwa solche Modi, die auf abstrakt-schematisierendes, andere, die
auf konkret-darstellendes, und wieder andere, die auf
sprachlich-explizierendes Verstehen gerichtet sind[7].
Die verschiedenen Verstehensmodi lassen sich zudem dynamisch miteinander
verschränken, wodurch der Effekt verstärkt wird. [187] 2.2.
’Komprimierte’ Präsentation der Thesen Diese medientheoretischen Vorüberlegungen
bilden das Fundament für das eigentliche Anliegen der CD. Konsequent
umgesetzt führt dies – gerade bei komplexen Zusammenhängen – zu
einer komprimierten Darstellung von Thesen neuerer historischer Forschung.
’Komprimiert’ spielt hier einmal auf den geringen zeitlichen
Aufwand an, der dem Rezipienten abverlangt wird. Noch mehr jedoch geht es um
eine Verdichtung der Darstellung selbst, die – multimedial aufbereitet
– an Eindringlichkeit und Prägnanz gewinnt. Durch das gleichzeitige
Mobilisieren verschiedener Verstehensmodi treten zentrale Aussagen deutlicher
hervor, gewinnen die Thesen selbst schärfere Konturen als in einem Fließtext. Eine solch akzentuierte Darstellung ist, so
kann erwartet werden, für den Laien von besonderem Interesse. An diesem Punkt
wird die CD jedoch auch für den Experten wichtig, da bis zu einem gewissen
Grad die Art der Darstellung und das Medium, mit dem die Arbeitsergebnisse
dargestellt werden, auf die These selbst zurückwirken. Es werden sich also
Unterschiede zwischen den in der Fachzeitschrift und den auf der CD
dargestellten Forschungsergebnissen feststellen lassen, die es bei der
Rezeption zu berücksichtigen gilt. Lässt sich durch die Möglichkeit der
gleichzeitigen Präsentation verschiedener Abstraktionsebenen auf dem
Bildschirm und deren auditive Erläuterung eine Verdichtung erreichen, die
auch ’entlegene’ Forschung für den Laien interessant macht, so
wird der Fachwissenschaftler den ihm vielleicht schon bekannten Ergebnissen
neue Aspekte und Einsichten abgewinnen können. 3 Praktische Umsetzung des
Konzepts
3.1 Die
Themen und ihre Vernetzung Wie erwähnt, versammelt die CD 16
Beiträge verschiedener Autoren unterschiedlicher Disziplinen –
vertreten sind die Germanistik, die mittelalterliche Geschichte und
Kunstgeschichte, die Anglistik sowie [188] die
mittellateinische Philologie – zum Thema ’Schriftlichkeit’
im Mittelalter. Im Zentrum eines jeden Beitrags steht die Erläuterung einer
konkreten These, die von dem Autor auf seinem Forschungsfeld unter der Frage
nach den Ursachen und Folgen des Medienwandels im Mittelalter entwickelt
wurde[8]. Konzeptionell
war zu berücksichtigen, dass die CD durch ihre hypertextuelle und interaktive
Struktur einen im Vergleich zum Buch offeneren Zugang zu den Einzelthemen
ermöglicht. Sie erlaubt darüber hinaus durch einfaches ’Klicken’
eine unmittelbarere Vergleichbarkeit der Beiträge, auch in ihren
Einzelsequenzen. Um dem gerecht zu werden, haben wir eine für alle Beiträge
und alle Autoren verbindliche Struktur entwickelt, die einerseits abstrakt
genug ist, um die unterschiedlichen Themen gliedern zu können, andererseits
aber so aussagekräftig ist, dass Vergleichbarkeit, also das
’Querklicken’ ermöglicht wird. Dem Thema ’Schriftlichkeit’
angemessen, wurden als zentrale Gliederungspunkte Produktion, Rezeption, Form und Technik gewählt, die von einer Einführung und einem Abstract
gerahmt werden. In jedem Beitrag sollten alle Punkte behandelt werden, jedoch
ist der Autor ausdrücklich dazu aufgefordert, einen Aspekt als Schwerpunkt zu
wählen und dort seine zentrale These vorzustellen. Interessant ist hier – und
diese Erfahrung haben wir erst im Laufe der Arbeit gemacht –, dass die
größere Offenheit des Mediums auf der Seite der Informationsnutzer zu einem
tendenziell stärkeren Abstimmungsbedarf auf Seiten der Informationsanbieter
führen muss[9].
Anders als etwa in einem Sammelband sind die Herausgeber bei einer so
angelegten CD wie der unsrigen gehalten, deutlichere konzeptionelle Vorgaben
zu entwickeln. Und die Autoren werden schon durch das Medium dazu angeleitet,
sich an diesen Vorgaben zu orientieren. [189] 4. Struktur
der CD Primäres Ziel der CD-ROM ist es,
ausgewählte Forschungsergebnisse des SFB einem breiten Publikum in neuer Form
nahe zu bringen. Die Möglichkeiten einer CD-ROM, gerade Wandlungsprozesse (um
die es hier dem Titel entsprechend in erster Linie geht) aufzuzeigen, reichen
über die der Printmedien mit ihren einfachen Kombinationen von Text und Bild
weit hinaus. Diese besonderen Möglichkeiten (Koppelung von auditiven,
graphischen und textuellen Elementen, Animationen usw.) sollen von den
Beiträgern genutzt werden, um ihre These mediengerecht darzulegen.
’Mediengerecht’ bedeutet darüber hinaus Nutzung der
hypertextuellen Möglichkeiten der CD-ROM. Die dazu erforderliche
Segmentierung einzelner Sinneinheiten, die nicht mehr, wie im Fließtext, in
linearer Form angeordnet sind, sondern in einem sich stets wandelndem
Geflecht, auf dessen Struktur der Nutzer Einfluss nimmt, wirkt sich auf die Gestaltung
der Sinneinheiten aus und stellt besondere Anforderungen an die Konzeption
der einzelnen Beiträge. Erreicht
wird damit eine individuelle Steuerung der ’Rezeptionstiefe’, die
dem Nutzer die seinen Wünschen entsprechenden Zugänge ermöglicht. Sichergestellt
wird dies durch ein intelligentes und leicht zu bedienendes
’Navigationssystem’, welches ihn schnell und sicher zu den ihn
interessierenden Themen führt. Die Spannweite der möglichen Rezipienten
erstreckt sich daher von interessierten Laien über Studierende bis zu
Fachwissenschaftlern. Die Multimedia-Beiträge vermitteln zentrale Thesen und
Forschungsansätze zu einem bestimmten Themenkreis in kompakter Form. Will der
Nutzer sich intensiver mit einem bestimmten Forschungsfeld beschäftigen, kann
er einen der ca. 20 im pdf-Format auf der CD abgelegten Fachaufsätze lesen[10].
Eine Komplettbibliographie der Arbeiten des SFB sowie ein Glossar sind
weitere Elemente, die eine gezielte Vertiefung eines Forschungsthemas
erleichtern. Da Texte und Abbildungen ausdruckbar sind, lässt die [190] CD sich auch in der Lehre (in Proseminaren,
z.T. in der Oberstufe) einsetzen. Nach einer
videoartigen Introsequenz und einer Einführung (beides ist fakultativ und
kann bei wiederholter Benutzung übersprungen werden) gelangt der Benutzer auf
die Startseite, die ihm eine Übersicht über das Angebot an Beiträgen bietet,
über die er aber auch auf Glossar, Bibliographie und Aufsatzsammlung
zugreifen kann. Wie erwähnt, ist jeder Beitrag ist in sechs Gliederungspunkte
unterteilt: Einführung: Die Einführung leitet - einem Dia-Vortrag vergleichbar - mit Hilfe eines
gesprochenen Textes und begleitenden Abbildungen den Beitrag ein und führt
zur Problemstellung hin. Produktion: Hierbei geht es um die Träger der
Schriftlichkeit wie um die Umstände des Produktionsprozesses. Dabei wird die
Frage nach Autor, Schreiber, Auftraggeber und institutionellem Kontext
genauso [191] in den Blick genommen wie die
Produktionsabläufe, die Quellennutzung und die Vervielfältigung (Abschrift,
Druck). Rezeption: An wen ist das Schriftstück
gerichtet? Von wem wurde es tatsächlich gelesen? Welche Institutionen oder
Gremien haben sich des Textes bedient? Wurde er laut oder leise gelesen, gab
es ein ’Publikum’? Wo wurde das Schriftstück aufbewahrt? Wird das
(Ver-)Lesen des Schriftstücks vielleicht in bestimmter Weise inszeniert? Gibt
es Umnutzungen des Textes? Form: Unter Form wird stärker auf die Struktur der Texte, ihren Aufbau, ihre
Vernetzung und Bezugnahme zu anderen Texten und die Form der Erschließung eingegangen.
Hier werden auch inhaltliche Komponenten berücksichtigt, was etwa auch die
Konsequenzen, die die ’technische’ Umsetzung (Druck, Handschrift,
Kopie, Eintrag in einem Protokollbuch) auf Struktur und Inhalt hat, mit
einschließt. Technik: Unter diesem Punkt sollen vornehmlich
die materiellen Grundlagen für die Textherstellung in den Blick genommen
werden (Pergament, Papier, Tinte, Feder, Druckherstellung, Einband usw.). Je
nach Schwerpunktsetzung bietet es sich hier an, auf die Ergebnisse der ’klassischen’
hilfswissenschaftlichen Forschung zurückzugreifen. Abstract: In dem abschließenden Abstract sollen die wichtigsten und
Ergebnisse noch einmal zusammenfassend dargestellt werden. Einer der vier Gliederungspunkte Produktion, Rezeption, Form oder Technik soll als Schwerpunkt ausgebaut
werden; dort ist die Erörterung der zentralen Aussage des Beitrags zu
verorten. Die Auswahl erfolgt themenspezifisch und liegt im Ermessen des
jeweiligen Beiträgers. Der Schwerpunkt hebt sich nicht nur durch den Umfang,
sondern vor allem auch durch die aufwendigere technische Gestaltung von den
anderen Abschnitten ab. Der Benutzer der CD wird nicht nur
die Möglichkeit haben, innerhalb eines Beitrags von Punkt zu Punkt
weiterzugehen, sondern er kann auch zwischen den einzelnen Unterpunkten
verschiedener Beiträge ’quer’ springen (also etwa von dem Punkt Rezeption des Themas Einblattdrucke zu Rezeption des Beitrags Bischofschroniken etc.). Darüber
hinaus wird es die Möglichkeit geben, per Navigator nach Kriterien wie
Entstehungszeit, -ort und thematischem Zusammenhang besonders [192] interessierende Informationen direkt zu
suchen. Zudem kann der Benutzer auch aus dem Einzelbeitrag heraus jederzeit
direkt auf Glossar, Bibliographie und Aufsatzsammlung zugreifen. Die
Suchfunktion greift sowohl auf die abgelegten Aufsätze wie auf die
Multimedia-Beiträge zu, wobei auch die gesprochenen Texte mit erfasst werden. 5. Schluss An der CD Schrift im Wandel, Wandel durch Schrift wirken 16 Autoren
unterschiedlicher Fachgebiete mit, die je einen Beitrag zum
’Medienwandel’ im Hoch- und Spätmittelalter liefern. Die
hypertextuelle Struktur des Mediums, die dem Rezipienten eine größere
Flexibilität bei der Auswahl und Bearbeitung einzelner Thementeilbereiche
ermöglicht, setzt voraus, dass die Produzenten ihre Beiträge stärker
aufeinander abstimmen. Andererseits sollte der Autor bei der Entfaltung
seines Themas möglichst wenig eingeschränkt werden. Die konzeptionelle
Vorgabe, jeden Beitrag nach den oben genannten Gesichtspunkten in sechs
’Kapitel’ zu gliedern, deren Inhalt sehr allgemein skizziert
wurde, versucht, diese beiden Aspekte zu berücksichtigen. Es ist nun Aufgabe
des Autors, die Geschlossenheit jedes Kapitels so zu gewährleisten, dass es
aus sich heraus verständlich ist, gleichzeitig aber mit den anderen Teilen
seines Beitrags verknüpftbar bleibt. Schon hier zeigt sich, dass das Medium
durch seine spezifischen Rezeptionsbedingungen auf die Ausformung des
wissenschaftlichen Beitrags Einfluss nimmt[11].
Angesichts der häufig zu vernehmenden Klage über die Heterogenität von
Tagungs- und Sammelbänden und der Tatsache, dass Transdisziplinarität zwar
stets gefordert, jedoch nur selten konkret umgesetzt wird, kann man diesen
’Nebeneffekt’ nur begrüßen. [193] Die CD-ROM eröffnet eine Reihe von neuen
Präsentations- und Rezeptionsmöglichkeiten, die insbesondere in ihrer
Kombination eine qualitative Veränderung der Darstellungsweise und des
Dargestellten erwarten lassen. Vielleicht lassen sich durch das neue Medium
die drei Elemente, die die Darstellung wissenschaftlicher Themen bestimmen
– die Komplexität und Vielschichtigkeit gerade
geisteswissenschaftlicher Forschungen, der Wunsch des Wissenschaftlers nach
differenzierteren Werkzeugen zur Explikation seiner Thesen und der Bedarf des
Rezipienten nach ihrer konzisen Vermittlung – besser integrieren. Literatur
Grob, Heinz Lothar,
Multimedia in der Wirtschaftslehre, in: Heinz Lothar Grob (Hg.), Ökonomische
Bildung im Medienzeitalter, Münster 1999, S. 99-134. Grob, Heinz Lothar u.
Stefan Bieletzke, Aufbruch in die Informationsgesellschaft, 2. uberarb.
Aufl., Münster 1998. Meier, Christel, Bilder
der Wissenschaft. Die Illustration des 'Speculum maius' von Vinzenz von
Beauvais im enzyklopädischen Kontext, in: Frühmittelalterliche Studien 33
(1999), S. 252-286. Meyer, Herbert A., Von
Punkt zu Punkt: Skizzen zu einer Theorie der interaktiven Medien, in:
Winfried Nöth u. Karin Wenz (Hgg.), Medientheorie und die digitalen Medien
(Intervalle 2), Kassel 1998, S. 177-193. Staley, David, Historical Visualizations, in: Journal of the
Association for History and Computing 3 (2000), im www unter http://mcel.pacificu.edu.JAHC/JAHCIII3/P-REVIEWS/StaleyIII3.HTML. Vester, Frederic, Denken,
Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und
wann läßt es uns im Stich?, 27. aktual. Aufl. München 2000. |
[1]
Vgl. den Beitrag von Angelika Lampen und Kirsten Balke für die mittelalterliche
Geschichte (in diesem Band) sowie TAG Tutorium
zur Alten Geschichte, http://orakelix.uni-muenster.de/tag_pro.htm
und für die Neuere und Neueste Geschichte den Beitrag von Stephan Hense und Armin Owzar (in diesem Band) HELP Historisches Elementarwissen im Lernprogramm
auf CD-ROM, s. auch unter http://www.uni-muenster.de/GeschichtePhilosophie/Geschichte/hist-sem/NZ-G/L2/
[2] Informationen über die Arbeit des SFB 231 sind
unter http://www.uni-muenster.de/MittelalterSchriftlichkeit/
abrufbar. Regelmäßige Berichte wurden in den Frühmittelalterlichen Studien publiziert; zuletzt FMSt 33 (1999),
S. 446-448.
[3] Das Entscheidende ist nicht die Menge der
eingesetzten Medien, sondern die Art ihrer Integration; vgl. Heinz Lothar Grob, Multimedia in der
Wirtschaftslehre, in: Ökonomische Bildung im Medienzeitalter, hg. von dems., Münster 1999, S. 99-134, S.
100ff.
[4] Selbstverständlich hat insbesondere in der
transdisziplinären historischen Forschung das Bild als Quelle längst einen
festen Platz erobert (man denke an die Arbeiten von Percy Ernst Schramm oder
Ernst H. Kantorowicz); vgl. jüngst Christel
Meier, Bilder der Wissenschaft. Die
Illustration des Speculum maius von
Vinzenz von Beauvais im enzyklopädischen Kontext, in: FMSt 33
(1999), S. 252-286. Die Arbeiten auf der CD gehen hier insofern einen
Schritt weiter, als fast jeder Screen aus einer Kombination von Text und Bild
besteht, die erst im Zusammenwirken das Argument erhellen. Vgl. hierzu „Indeed, visualizations aid in the
conceptualization of historical thinking, but when properly composed, they
remain a formal part of the process of researching, composing and presenting
historical information”; David J.
Staley, Historical Visualizations, in: Journal of the Association for
History and Computing 3 (2000), abgelegt unter http://mcel.pacificu.edu/JAHC/JAHCIII3/P-REVIEWS/StaleyIII3.HTML.
Staleys anregender Artikel geht allerdings sehr weit in der Nutzung
visueller Umsetzungen historischer Arbeiten.
[5] Einem solchen Ansatz sind insbesondere die von
Schulbuchverlagen herausgegebenen CDs verpflichtet. So wird etwa die im
Cornelsen-Verlag erschienene CD Kreuzzüge
mit dem Neologismus ‚Infotainment (aus ‚information’ und ‚entertainment’)
beworben.
[6] Hierzu illustrativ: Heinz Lothar Grob, Stefan Bieletzke: Aufbruch in die
Informationsgesellschaft, Münster, 2. überarb. Aufl. 1998, S. 59ff..
[7] „Je mehr Arten der Erklärung angeboten
werden, je mehr Kanäle der Wahrnehmung benutzt werden ..., desto fester wird
das Wissen gespeichert, desto vielfältiger wird es verankert und auch
verstanden, desto mehr Schüler werden den Wissensstoff begreifen und ihn später
auch wieder erinnern“; Frederic
Vester, Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie
lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich?, München, 27. (aktualisierte)
Aufl. 2000, S. 51.
[8] Insofern unterscheidet sich das hier
vorgestellte CD-Projekt deutlich bereits im Handel erhältlichen, die
vornehmlich einem unterhaltend bzw. spielerisch-erklärenden Zugang zu
mittelalterlichen Themen wählen. Zu nennen wäre etwa die von Bernd Kockerols und Jörg Müller entwickelte CD Die Stadt im Mittelalter, die diese
Herangehensweise ausgezeichnet umsetzt; vgl. die Rezension von Johannes
U. Müller (diese und weitere CD-Rezensionen finden sich unter: http://www2.h-net.msu.edu/mmreviews/index.cgi).
[9] In der Diskussion um die Chancen und Grenzen
hypertextueller Strukturen wird immer wieder auf die Notwendigkeit verwiesen,
die zu verlinkenden Segmente so zu gestalten, dass ein nutzergesteuerter,
offener Zugang sinnvoll ist; vgl. Herbert
A. Meyer, Von Punkt zu Punkt: Skizzen zu einer Theorie der interaktiven
Medien, in: Medientheorie und die digitalen Medien, hg. von Winfried Nöth und Karin Wenz (Intervalle 2), Kassel 1998,
S. 177-193, S. 187ff.
[10] Es handelt sich um ausgewählte
Publikationen, die in den letzten Jahren von Projektleitern und Mitarbeitern
des SFB veröffentlicht wurden.
[11] „Die Elemente eines
Hypertextsystems müssen im Gegenteil zu den Bestandteilen eines herkömmlichen
Textes aus sich heraus verständlich sein. Nur dann bilden sie ausgehend von
anderen Bestandteilen ein sinnvolles Verweisziel“; Meyer, Von Punkt zu Punkt, a.a.O., S.
190. Die Konsequenz ist, dass „Texte in Hypertextsystemen ... sozusagen
maßgeschneiderte Textformen“ verlangen (S. 191). Die Entwicklung solcher
Formen steht noch ganz am Anfang, und man darf gespannt sein, inwieweit sich
hier eine neue Schriftkultur entwickelt.